FC Zuzwil 2 / unterliegt Neckertal-Degersheim Ungeschlagen bleibt ungeschlagen
Die Ausgangslage vor dem Auswärtsspiel gegen den FC Neckertal-Degersheim war klar: Die Gastgeber waren in der laufenden Meisterschaft noch ungeschlagen und hatten sich in der oberen Tabellenhälfte festgesetzt. Für den FC Zuzwil 2 war deshalb klar, dass eine schwierige Aufgabe bevorstand. Trotzdem wollte man sich nicht verstecken, sondern mutig auftreten und dem Favoriten das Leben möglichst schwer machen.
Für die wohl grösste Überraschung sorgte allerdings bereits der Blick auf die Aufstellung. Pius «Pille» Räss stand tatsächlich in der Startelf! Was für viele beinahe so überraschend kam wie ein Sonntagsspiel ohne müde Beine, war historisch: Zum ersten Mal unter Trainer Philipp Knittel durfte Pille von Beginn an ran. Der Edeljoker hatte es also tatsächlich in die Startformation geschafft. Ob er damit seinen endgültigen Durchbruch geschafft hatte oder ob der Trainer einfach einmal sehen wollte, wie lange Pille schon vor der Pause durchhält, sollte sich im Laufe des Spiels zeigen.
Der Start verlief für die Zuzwiler allerdings alles andere als nach Wunsch. Neckertal setzte die Gäste früh unter Druck und presste hoch. Nur selten gelang es dem FCZ, sich aus der Umklammerung zu befreien und selbst einen geordneten Angriff aufzubauen. In der 10. Minute folgte bereits der erste Rückschlag. Ein Freistoss segelte in den Zuzwiler Strafraum und wurde zunächst per Kopf geklärt. Doch wie so oft an diesem Abend gehörte der zweite Ball den Gastgebern. Ein Neckertaler nahm den Ball rund 14 Meter vor dem Tor an und schloss direkt ab. Der Ball landete im Netz, und Zuzwil lag früh mit 0:1 zurück.
Auch danach taten sich die Gäste schwer, ins Spiel zu finden. Die wenigen offensiven Lichtblicke waren rar gesät. Die beste Chance gehörte natürlich ausgerechnet dem Mann, der an diesem Abend ohnehin schon für Schlagzeilen sorgte: Pius Räss. Ein Freistoss aus dem Halbfeld wurde immer länger und länger, ehe der Ball kurz vor der Grundlinie nochmals scharf in den Strafraum gebracht wurde. Am langen Pfosten lief Pille ein und kam zum Abschluss, setzte den Ball allerdings knapp am Tor vorbei. Der erste Startelftreffer seiner Karriere unter Knittel musste also noch warten.
Kurz darauf wurde die thurgauische Flügelzange ausgewechselt. Bei Stefan Martin Bartholdi war der Grund dafür nachvollziehbar: Nach einem Zweikampf verletzte er sich am Fuss und durfte sich für seinen beherzten Einsatz gleich noch die gelbe Karte abholen. Ein doppelter Preis für einen einzigen Zweikampf. Gute Besserung an Stefan!
Bei Pius «Pille» Räss sah die Sache hingegen etwas rätselhafter aus. Damit war auch seine historische Startelfpremiere unter Trainer Philipp Knittel bereits wieder beendet. Die Gründe für seine frühe Auswechslung bleiben vorerst ungeklärt. War es Taktik? Verwirrung? Oder hatte der Edeljoker seine Startelfpremiere schlicht mit einer besonders intensiven Laufeinheit verwechselt? Die Antwort kennt wohl nur der Trainer. Pille selbst musste jedenfalls zurück auf die Bank und konnte sich überlegen, wie er sich seinen Platz in der Startelf für das nächste Mal gleich für 90 Minuten sichert.
In der 38. Minute erhöhte Neckertal auf 2:0. Nach einem Einwurf wurde der Ball per Kopf verlängert. In der Mitte konnte die Zuzwiler Verteidigung den Ball zwar in die Höhe befördern, allerdings nicht weit genug aus der Gefahrenzone. Als das Spielgerät wieder herunterkam, wurde es unglücklich abgefälscht. Der einlaufende Stürmer profitierte davon, bekam den Ball beinahe serviert und schob locker ein. Mit diesem zweiten Gegentreffer ging es für die Zuzwiler mit einem Zwei-Tore-Rückstand in die Pause.
Was Trainer Philipp Knittel seinen Spielern in der Kabine mit auf den Weg gab, bleibt wie üblich ein gut gehütetes Geheimnis. Vielleicht waren es taktische Anpassungen, vielleicht eine emotionale Ansprache oder vielleicht doch die Aussicht auf ein Bier nach dem Spiel. Sicher ist nur: Die Zuzwiler kamen deutlich verbessert aus der Kabine.
In der zweiten Halbzeit gelang es dem FCZ zunehmend, den Ball in den eigenen Reihen zu halten und sich aus dem gegnerischen Pressing zu lösen. Zwar blieben die ganz grossen Torchancen zunächst aus, doch immerhin kamen die Gäste zu einigen Abschlüssen aus der zweiten Reihe. Neckertal hatte weiterhin die besseren Möglichkeiten, konnte daraus aber vorerst kein Kapital schlagen. Der FC Zuzwil hielt dagegen und zeigte, dass er sich trotz des Rückstands nicht einfach seinem Schicksal ergeben wollte.
Zwei Szenen sorgten in dieser Phase allerdings für unerfreuliche Abwechslung. Zunächst verletzte sich Torhüter Etienne Jung bei einer Aktion, in der er einen zu steilen Steilpass abfangen konnte. Der gegnerische Stürmer zog trotz der Situation voll durch und traf Etienne am Knie. Für unseren Schlussmann ging es nicht weiter, weshalb er ausgewechselt werden musste. Gute Besserung an Etienne!
Kurze Zeit später erwischte es auch Sven Dilitz. Dieser wollte eine Flanke verhindern und bekam den Ball an eine Stelle, an der Männer bekanntlich besonders empfindlich reagieren. Für einen kurzen Moment dürfte Sven seine gesamte Karriere überdacht haben. Auf den Rängen wurde bereits gemunkelt, ob aus Sven nun vielleicht doch noch eine Svenja werden könnte. Glücklicherweise konnte er nach einer kurzen Erholungsphase weiterspielen. Immerhin bewies Sven damit, dass er nicht nur defensiv einiges einstecken kann.
Mangelnden Einsatz konnte man den Zuzwilern in der zweiten Halbzeit jedenfalls nicht vorwerfen. Je länger die Partie dauerte, desto offensiver richtete sich die Mannschaft aus, um vielleicht doch noch den Anschlusstreffer zu erzwingen. Damit entstanden allerdings auch grössere Räume in der eigenen Abwehr. Ersatzgoalie Yannis Krucker musste mehrmals eingreifen und zeichnete sich gleich zwei- bis dreimal mit starken Fussabwehren aus. Dass er dabei konsequent die Füsse einsetzte, war durchaus bemerkenswert. Vielleicht sollte ihm gelegentlich jemand erklären, dass Torhüter grundsätzlich auch ihre Hände benutzen dürfen. Bis dahin blieb er seiner Linie jedenfalls treu.
Die zunehmende Offensive brachte jedoch auch Risiken mit sich. In der Nachspielzeit nutzte Neckertal einen der entstandenen Räume konsequent aus. Ein Mittelfeldspieler startete in die Tiefe und wurde mit einem Steckpass bedient. Mit dem ersten Kontakt stolperte er den Ball an der Zuzwiler Abwehr vorbei, mit dem zweiten legte er ihn flach zur Mitte. Dort musste der Stürmer nur noch einschieben. Das 3:0 bedeutete die endgültige Entscheidung.
Einige Zuzwiler waren zu diesem Zeitpunkt stehend k. o. und mussten anerkennen, dass an diesem Abend gegen den weiterhin ungeschlagenen Gegner nichts mehr zu holen war. Trotz einer klar verbesserten zweiten Halbzeit reichte es nicht, um die Partie nochmals spannend zu machen. Neckertal nutzte seine Chancen konsequenter und sicherte sich verdient die drei Punkte.
Für den FC Zuzwil 2 gilt es nun, die positiven Ansätze aus der zweiten Halbzeit mitzunehmen und den Blick nach vorne zu richten. Zum Abschluss der Hinrunde wartet nochmals eine schwierige Aufgabe. Immerhin findet das nächste Spiel zu Hause statt, wo die Zuzwiler besonders stark auftreten können. Mit der richtigen Einstellung und der Unterstützung des Heimpublikums darf man sich auch gegen den nächsten Gegner Chancen ausrechnen.
Und wer weiss: Vielleicht steht Pius Räss dann erneut in der Startelf. Nach seiner Premiere unter Knittel ist jedenfalls klar, dass selbst beim Edeljoker eine neue Ära begonnen hat.
Allez Zuzwil – hinfallen, aufstehen, weiterkämpfen!
