FC Zuzwil 2 / Wind, Regen und zwei Sror-Tore: Zuzwil trotzt dem Leader

Die Trainingswoche vor dem letzten Spiel der Hinrunde war nur mässig besucht. Die einen kämpften noch mit den Strapazen der vergangenen Wochen, andere freuten sich bereits auf die bevorstehende Pause. Für Trainer Philipp Knittel hatte die Partie allerdings eine besondere Bedeutung. Aus persönlichen Gründen war das Duell gegen den FC Kirchberg für ihn ein wichtiges Spiel, hatte er doch zahlreiche Spieler des Gegners in der Vergangenheit selbst ausgebildet und trainiert. Dass ausgerechnet der Tabellenführer zum Abschluss der Hinrunde nach Zuzwil kam, verlieh der Begegnung zusätzliche Brisanz.

Die personelle Situation machte die Vorbereitung nicht unbedingt einfacher. Verletzungen und Abwesenheiten führten zu einer Aufstellung, die in der Kabine für einige verwunderte Gesichter sorgte. Sven Benz als Aussenverteidiger und Lenny im Mittelfeld? Für manche sah das eher nach verkehrter Welt als nach einer taktischen Meisterleistung aus. Dazu kam Dominic Gähwiler auf der rechten Abwehrseite. Unser schnellster Mann, eigentlich auf dem Flügel zu Hause, sollte dort offenbar mit seinem Tempo für Ordnung sorgen. Auch die thurgauische Flügelzange aus dem letzten Spiel wurde durch noch mehr Geschwindigkeit auf den Aussenbahnen ersetzt. Ob dahinter ein ausgeklügelter Masterplan des Trainers steckte oder ob Knittel schlicht das Beste aus dem verfügbaren Personal machen musste, blieb sein Geheimnis.

Die Zuzwiler waren jedenfalls bereit, bei kräftigem Wind den Kampf gegen den Tabellenführer anzunehmen. Nur einer schien noch nicht ganz so weit zu sein: der Gegner. Der FC Kirchberg liess vor Spielbeginn auf sich warten, sodass der Schiedsrichter kurzerhand selbst in die Garderobe gehen musste, um die Gäste auf den Platz zu holen. Ob die Kirchberger noch letzte taktische Details besprachen oder einfach noch nicht mit dem Zuzwiler Tempo gerechnet hatten, ist nicht überliefert.

Nach dem schwierigen Auftritt in der Vorwoche gegen Neckertal-Degersheim wollten die Zuzwiler diesmal unbedingt besser in die Partie starten. Und tatsächlich gelang dies in den ersten Minuten ordentlich. Mit einigen Halbchancen setzte man erste Akzente und zeigte, dass man sich vor dem Leader keineswegs verstecken wollte.

Mit zunehmender Spieldauer übernahmen die Kirchberger allerdings immer mehr das Kommando. Ihr Rezept war schnell erkannt: lange Bälle hinter die Zuzwiler Abwehrkette, auf die Flügel und von dort möglichst rasch mit flachen Hereingaben vors Tor. Ein Konzept, das den Gastgebern wiederholt Probleme bereitete. Auch bei Standardsituationen, insbesondere bei Eckbällen, kam der Tabellenführer zu gefährlichen Möglichkeiten.

Doch die Kirchberger hatten ihre Rechnung ohne Etienne Jung gemacht. Unser Schlussmann erwischte einen absoluten Sahnetag und hielt seine Mannschaft mit mehreren starken Paraden im Spiel. Ob aus kurzer Distanz, nach Hereingaben oder bei Abschlüssen aus aussichtsreicher Position, Etienne war zur Stelle. Mit zunehmender Spieldauer entwickelte sich die Partie beinahe zu einem persönlichen Privatduell zwischen dem Kirchberger Angriff und unserem Torhüter.

So musste selbst Pius «Pille» Räss auf der Ersatzbank langsam um seine inoffizielle Auszeichnung als wertvollster Spieler der Mannschaft bangen. Über mehrere Spieltage hinweg war der Edeljoker mit seinen Einwechslungen und besonderen Auftritten ein heisser Kandidat für den MVP-Award gewesen. An diesem Abend aber sass er draussen und sah zu, wie Etienne eine Parade nach der anderen auspackte. Erstmals seit längerer Zeit musste Pille ernsthaft befürchten, dass ihm jemand den Titel streitig machen könnte. Seine Chance sollte allerdings noch kommen.

Während Etienne hinten glänzte, setzten die Zuzwiler offensiv nur vereinzelte Nadelstiche. In erster Linie war man damit beschäftigt, die gegnerischen Angriffe wegzuverteidigen. Doch kurz vor der Pause schlug die Stunde der Gastgeber.

In der 41. Minute wurde ein Freistoss aus der eigenen Hälfte von Sven Benz weit in den Kirchberger Strafraum geschlagen. Sror Rigal nahm den Ball mit dem Rücken zum Tor an und wurde dabei vom Verteidiger festgehalten. Der Schiedsrichter zeigte auf den Punkt. Strafstoss für Zuzwil! Sror übernahm selbst die Verantwortung und verwandelte souverän zur überraschenden 1:0-Führung.

Die Freude währte allerdings nur kurz. Noch vor dem Pausenpfiff kamen die Gäste zu einem Eckball. Die Zuzwiler konnten den Ball zunächst bis an den Strafraumrand klären, wo ein Kirchberger bereits wartete. Dessen Schuss wurde von Lenny mit dem Arm geblockt. Zumindest war dies die Ansicht des Schiedsrichters, der erneut auf den Punkt zeigte. Ein Kompensationsentscheid? Darüber lässt sich diskutieren. Viel Zeit zum Diskutieren blieb den Zuzwilern allerdings nicht, denn was anschliessend folgte, war Chaos pur.

Etienne parierte den Strafstoss zunächst stark. Der Kirchberger Stürmer kam jedoch zum Nachschuss, den Etienne im Liegen irgendwie mit den Beinen abwehrte. Von dort sprang der Ball dem Angreifer ins Gesicht, bevor Etienne erneut an den Ball kam und diesen an den Pfosten lenkte. Von dort kullerte das Spielgerät schliesslich doch noch über die Linie. Ein Treffer, bei dem wohl niemand mehr genau wusste, wie der Ball letztlich im Tor gelandet war. Für die Zuzwiler besonders bitter: Der Ausgleich fiel praktisch mit dem Pausenpfiff.

Mit dem 1:1 ging es in die Kabine. Die Zuzwiler hatten in der ersten Halbzeit viel investiert und waren vor allem defensiv gefordert gewesen. Nun galt es, die Kräfte nochmals zu mobilisieren. Was Knittel seinen Spielern mit auf den Weg gab, wissen wir natürlich nicht. Vielleicht waren es taktische Anpassungen, vielleicht eine Motivationsrede oder vielleicht wurde auch hier bereits mit Bier für den erfolgreichen Abschluss der Hinrunde geworben.

Fest stand jedenfalls, dass die zweite Halbzeit vor allem über den Kampf entschieden werden musste. Die Beine wurden schwerer, der Wind nahm weiter zu und die Kirchberger blieben gefährlich. Immerhin spielte der zunehmend kräftige Wind nun auf der Seite der Zuzwiler.

In der 58. Minute schlugen die Gastgeber erneut zu. Nach einem Patzer des Kirchberger Torhüters fing Alex Andres Ferrando den Ball ab und reagierte blitzschnell. Er spielte das Spielgerät rasch in die Mitte zu Sror Rigal, der sich nicht zweimal bitten liess. In klassischer Stürmermanier blieb er vor dem Tor ruhig und schob zur erneuten Führung ein. 2:1 für Zuzwil! Sror schnürte damit seinen Doppelpack und sorgte dafür, dass die Zuzwiler trotz der schwierigen Umstände wieder vom Heimsieg träumen durften.

Kurz darauf musste Alex allerdings angeschlagen ausgewechselt werden. Die Ersatzspieler wurden zum Aufwärmen geschickt, und für einen kurzen Moment standen die Zuzwiler sogar in Unterzahl auf dem Platz. Die Kräfte schwanden, die Partie wurde zunehmend zur Willensfrage und langsam rückte der Moment näher, auf den zumindest einer an diesem Abend besonders lange gewartet hatte.

Pius «Pille» Räss wurde eingewechselt! Der Edeljoker sollte dabei helfen, die Führung über die Zeit zu bringen und dem Tabellenführer nochmals Paroli zu bieten. Doch wer nun dachte, dass Pille endlich genügend Zeit bekommen würde, um seinen MVP-Anspruch zu untermauern, wurde bitter enttäuscht.

Nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung spielten sich die Kirchberger über die linke Zuzwiler Abwehrseite durch. Eine flache Hereingabe fand den Stürmer in der Mitte, der zu viel Platz hatte und den Ball nochmals ablegte. Ein nachrückender Kirchberger verwandelte sauber zum 2:2. Der Ausgleich war Tatsache.

Damit war auch Pilles grosse Chance, den MVP-Award an diesem Abend noch für sich zu entscheiden, zumindest vorerst dahin. Kaum eingewechselt, musste er bereits wieder feststellen, dass der Gegner andere Pläne hatte. Ob Knittel mit dieser Auswechslung zufrieden war oder ob er seinen Edeljoker schlicht vor weiteren Strapazen schützen wollte, bleibt offen. Für die Statistik bleibt jedenfalls festzuhalten: Pille stand auf dem Platz, als der Ausgleich fiel. Etienne dagegen hatte bereits zuvor mit seinen Paraden dafür gesorgt, dass Zuzwil überhaupt so lange von drei Punkten träumen durfte.

Nach dem erneuten Ausgleich wurde das Wetter nochmals ungemütlicher. Der Regen setzte ein, der Wind peitschte über den Platz und der Kampfgeist der Zuzwiler schien mit jeder Minute weiter zu wachsen. Hinten wurde der Beton angerührt und alles, was in Richtung Strafraum kam, konsequent wegverteidigt. Die Kräfte schwanden zusehends, weshalb sich die Spieler immer wieder kurze Verschnaufpausen gönnten. An grosse spielerische Glanzlichter war kaum mehr zu denken. Beide Mannschaften mussten sich ihre Energie gut einteilen, und die ganz grossen Chancen blieben auf beiden Seiten aus.

So tickte die Uhr langsam herunter, während die Zuzwiler dem Tabellenführer mit allem entgegenhielten, was noch in den Beinen steckte. Nach den Strapazen der vergangenen Wochen war es eine kämpferische Leistung, die Respekt verdient. Am Ende blieb es beim 2:2. Der FC Zuzwil 2 trotzte dem Leader einen Punkt ab und verabschiedete sich mit einem hart erkämpften Resultat in die Winterpause.

Eine Hinrunde mit Höhen, Tiefen und vielen Geschichten

Mit dem Schlusspfiff endet nicht nur dieses Spiel, sondern auch eine abwechslungsreiche erste Saisonhälfte. Als Aufsteiger aus der 5. Liga war für den FC Zuzwil 2 von Beginn an klar, dass in der 4. Liga ein anderer Wind wehen würde. Dass die Mannschaft gegen ambitionierte Gegner bestehen kann, zeigte sich schon früh. Gleichzeitig gab es Spiele, in denen man Lehrgeld bezahlen musste, etwa gegen Uzwil oder Flawil, wo gute Ansätze nicht mit Punkten belohnt wurden.

Danach folgten die ersten echten Ausrufezeichen. Beim überzeugenden 4:0 gegen Pfyn zeigte die Mannschaft, was möglich ist, wenn die Abläufe stimmen und die Chancen konsequent genutzt werden. Auch gegen Frauenfeld gelang ein deutlicher 4:0-Erfolg, bei dem der Matchplan von Trainer Knittel hervorragend aufging. Mit dem knappen 2:1-Sieg gegen Weinfelden bewiesen die Zuzwiler zudem, dass sie auch enge Spiele für sich entscheiden können. Dabei halfen nicht zuletzt die Thurgauer Kräfte innerhalb der Mannschaft, die mit ihren Toren für wichtige Punkte sorgten.

Die Niederlage gegen Neckertal-Degersheim war nochmals ein Dämpfer. Gegen einen spielstarken Gegner geriet Zuzwil früh in Rückstand und fand erst nach der Pause besser ins Spiel. Zum Abschluss gegen den Tabellenführer Kirchberg zeigte die Mannschaft nun erneut, dass sie sich auch von Rückschlägen nicht unterkriegen lässt. Zwei Führungen, ein starker Torhüter, zwei Sror-Tore und eine kämpferische Schlussphase ergaben am Ende einen Punkt, den man sich mit viel Einsatz erarbeitete.

Natürlich war nicht alles perfekt. Die Mannschaft musste mit Verletzungen, Abwesenheiten und immer wieder neuen Aufstellungen umgehen. Gerade die personellen Engpässe machten es dem Trainerteam nicht leicht, Woche für Woche die passende Formation zu finden. Dass dabei manchmal ein gelernter Flügel auf der Aussenverteidigerposition oder ein Innenverteidiger plötzlich im Mittelfeld auftaucht, gehört inzwischen fast zum Zuzwiler Alltag. Und dass Pius Räss nach mehreren Einsätzen als Edeljoker zwischenzeitlich sogar in der Startelf auftauchte, zeigt, dass bei Knittel grundsätzlich niemand vor Überraschungen sicher ist.

Trotzdem hat die Hinrunde gezeigt, dass der FC Zuzwil 2 in dieser Liga mithalten kann. Es gab Siege, die Selbstvertrauen gaben, Niederlagen, aus denen man lernen musste, und enge Spiele, in denen die Mannschaft bis zum Schluss kämpfte. Genau diese Mischung gehört zu einer Saison dazu. Besonders erfreulich ist, dass sich die Mannschaft auch gegen starke Gegner nicht verstecken muss und mit einer geschlossenen Leistung immer wieder gefährlich werden kann.

Nun ist erst einmal Erholung angesagt. Die Trainingsbeteiligung der letzten Woche hat bereits gezeigt, dass sich einige Spieler nach einer Pause sehnen. Lange wird die Ruhe allerdings nicht dauern: Im Dezember geht es wieder los mit Crossfit, Konditionstraining und dem mühsamen Aufbau jener Fitness, die im Herbst manchmal etwas abhandengekommen ist. Die Festtage dürften also für einige Spieler die letzte Gelegenheit sein, sich ohne schlechtes Gewissen nochmals am Dessertbuffet zu bedienen. Es laufen auch schon interne Gespräche über Neuzugänge und so hofft man am Teamevent die definitive Unterschrift von Lars Roth klar zu machen. Dies hätte er sich wirklich verdient nach seinen Leistungen in den letzten Spielen.

Bis dahin darf die Mannschaft auf eine Hinrunde zurückblicken, in der sie sich als Aufsteiger behauptet und sich mit einigen überzeugenden Auftritten Respekt verschafft hat. Der Punkt gegen den Tabellenführer ist ein passender Abschluss: kein glanzvoller Fussballabend, aber eine Leistung, die von Einsatz, Zusammenhalt und Kampfgeist geprägt war.

Und während Pius Räss vielleicht bereits überlegt, wie er seinen MVP-Award in der Rückrunde zurückerobern kann, darf sich Etienne Jung nach diesem Abend völlig verdient als Mann des Spiels feiern lassen.

Allez Zuzwil – erholen, aufladen, wieder angreifen!